00:00:04:
00:00:12: Herzlich willkommen in der Stadträderei.
00:00:14: Reflexionen zu Stadt und Raum.
00:00:16: Ich freue mich, Sie heute zum viervierzigsten Podcast begrüßen zu dürfen!
00:00:22: Es geht um das Thema wie feministisch kann eine Stadt sein?
00:00:26: Mein Name ist Faye Tissen und ich sitze wieder – wie immer – am Mikrofon mit meiner Kollegin
00:00:31: Christine Grüger, ja ich freue mich das wir endlich wieder fäh, so müssen wir es schon sagen.
00:00:36: Wieder zur Aufnahme kommen eine Sendung starten können und sie uns natürlich dabei zuhören.
00:00:43: Wir hatten ja im Newsletter vor Kurzem mitgeteilt und darauf hingewiesen dass im Hintergrund ganz schön gewirbelt wird in der Stadtrederei und wie er mit anderen Dingen rund um den Podcast beschäftigt waren und auch sind.
00:00:57: aber wir freuen uns jetzt endlich mit dieser Folge wieder rauszukommen.
00:01:00: Genau, und da Christine vielleicht an dich einmal.
00:01:04: Wieso haben wir eigentlich dieses Thema aufgegriffen?
00:01:07: Feministische oder gendergerechte Stadtplanung?
00:01:10: Naja!
00:01:11: Wir haben uns ja gefragt im März zum internationalen Frauentag wenn wir all die aktuellen Debatten uns angucken über Frauen- und Feminismus wie sieht das eigentlich in der Stadtentwicklung aus?
00:01:23: also aktuell ist ja das Thema Im Prinzip immer auf dem Radar, wenn wir jetzt gerade schauen was für Bücher rauskommen.
00:01:31: Was gerade aktuell um weibliche Lebensthemen wie sexualisierte und digitale Gewalt gibt.
00:01:37: Es gibt jetzt aktuellen Buch von Amelie Fried da geht es um die Trade Wives.
00:01:40: also fallen wir Frauen wieder zurück.
00:01:44: Also das Thema ist ja immer aktuell.
00:01:46: Auch Herr Merz hat es ja so ein bisschen verdeckt, angedeutet mit seiner Stadtbilddebatte und den Erfahrungen seiner Töchter also der achte März war für uns eigentlich so ein Thema nochmal zu recherchieren.
00:01:57: wie weit stets denn um die feministische Planung gibt's da auch so Aufreger?
00:02:01: So Streitgespräche oder läuft das alles im Stillen ab?
00:02:05: Das habe ich mich natürlich besonders gefragt, weil ich ja vor dreißig Jahren mal in dem Thema sehr gewirbelt habe.
00:02:11: Da kommen wir gleich noch zu und insofern wollen auch gucken, wie kommt es bei den jungen Wissenschaftlerinnen an?
00:02:19: und wollten uns dazu mit Frauen unterhalten.
00:02:22: Wir
00:02:22: haben zwei tolle Frauen eingeladen eine Wissenschaftlerin Dr.
00:02:26: Nina Schuster.
00:02:27: sie ist Soziologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Dortmund arbeitet dort in der Stadt- und Regionalsoziologie und forscht unter anderem zu feministischer Theorie, aber auch zu queer urban studies und sozialen Ungleichheiten.
00:02:44: Und ist auch Mitglied im Netzwerk für Frauen- und Geschlechterforschung.
00:02:48: Dazu haben wir eine wirklich langjährig erfahrene Frau eingeladen Eva Keil.
00:02:55: Sie war die zentrale Stimme und ist Expertin für Gender Planning und hat vor vielen Jahren in Wien die Leitstelle für Alltags- und Frauengerichtesplanen und Bauen aufgebaut.
00:03:07: Und dort maßgeblich die Stadtentwicklung geprägt, unter anderem im recht bekannten Projekt der Seestadt Aspern, auf das wir auch nachher zu sprechen kommen werden.
00:03:18: Bevor es aber nun losgeht Fee!
00:03:20: Inwieweit hast du denn überhaupt Berührungspunkte mit der feministischen Stadtplanung gehabt oder hast noch?
00:03:26: Ja, also tatsächlich gar nicht so viele.
00:03:28: Ich sag jetzt mal in meinem Studium war das nie groß Thema.
00:03:31: War auch jetzt nicht explizit erwähnt.
00:03:34: Auch danach habe ich ja zunächst als klassische Architektin gearbeitet im Hochbau.
00:03:39: Auch da kam es kaum vor dieses Thema und ich bin eigentlich erst vor wenigen Jahren dazu gekommen, als sich angefragt wurde mit Kolleginnen zusammen einen Vortrag zu halten über Gender Mainstreaming.
00:03:52: dann haben wir so im Selbststudium uns da in das Thema reingearbeitet Und ich fand das hoch spannend und wir sind dann über diesen Vortrag in Kontakt gekommen, eben mit anderen Frauen die sich sehr engagieren im Thema.
00:04:06: Und ich wurde dann eingeladen vor zwei Jahren eine Konferenz zu moderieren hier im Ruhrgebiet, wo sich drei Frauennetzwerke verbündet hatten.
00:04:16: Das war einmal das Frauennetzwerk Ruhe aber auch Gender Archland und die Architektin Initiative Nordrhein-Westfalen.
00:04:26: da gab es eine große Konferenzen zum Thema.
00:04:29: wir müssen uns kümmern um unsere Städte hat sich in den letzten Jahren das Festival entwickelt, Woman in Architecture, was ja Deutschland weit agiert.
00:04:42: Und auch da habe ich letztes Jahr noch mal eine Podiumsdiskussion moderiert rund um dieses Thema gendergerechte und feministische Stadtplanung – wie sehen es eigentlich die?
00:04:54: älteren Expertinnen und wir sehen es aber auch, wie sieht's?
00:04:58: Auch die jüngere Generation.
00:05:00: Und was hat sich auch in den letzten Jahren verändert?
00:05:02: oder wie kann man das Thema auch weiter tragen?
00:05:05: Ich glaube du hast dich da viel intensiver mit beschäftigt Christine unter anderem ja auch in deiner Promotion.
00:05:10: erzählt Du doch mal!
00:05:12: Naja das waren halt, wie man immer so darauf hinweist andere Zeiten.
00:05:17: Ja also in den neunziger Jahren war das Frauenthema Mit auf eine Radar gekommen durch die lokalen Agenda-Bewegungen.
00:05:26: Und ich bin auch nicht im Studium davon berührt worden, aber in meiner Tätigkeit und war dann halt in den jeweiligen Arbeitsgruppen.
00:05:34: einmal beim Informationskreis für Raumplanung hatte sich eine Arbeitsgruppe gegründet Frauen in der Planung.
00:05:40: Ich war bei der SL im Plannerin Arbeitskreis Sogar als Gastmitglied bei dem Deutschen Städtetag, da gab es damals eine eigene Kommission für Frauen in der Stadtentwicklung und die Krönung war für mich Beiratsfrau zu sein beim Senat.
00:05:56: Umweltentwicklung in Hamburg.
00:05:59: Da haben wir uns sehr um die Hafencity damit auseinandergesetzt, inwieweit da Frauenbelange berücksichtigt werden können.
00:06:05: Naja und das Ganze ist dann geendet bei mir in der Promotion.
00:06:08: wie du schon gesagt hast habe ich mich damals damit aueinander gesetzt inwiefern ja gender planning Nationalplanung beim Verband Region Stuttgart berücksichtigt werden kann.
00:06:20: Der Verband hatte sich damals neu gegründet, es gab ein sehr aktives Frauennetzwerk den Frauenratschlag und das war eine sehr, sehr spannende Zeit!
00:06:28: Und insofern als du anfingst zu sagen komm wir machen jetzt was zum internationalen Frau, da habe ich gedacht ach nee muss das denn jetzt sein?
00:06:35: Das hatten wir doch schon alles.
00:06:37: ja müssen wir das jetzt wieder neu erfinden.
00:06:40: Und deswegen habe ich mich so gefragt, was ist denn überhaupt in den letzten drei Jahren passiert?
00:06:44: Also haben wir jetzt tatsächlich mehr Frauen in Führungspositionen, in der Planung und Politik.
00:06:49: In einigen Städten habe ich den Eindruck es gibt wahnsinnig viele weibliche Baubürgermeisterinnen.
00:06:54: Gibt's dazu überhaupt Zahlen?
00:06:56: und Was ist eigentlich aus all diesen Netzwerken geworden?
00:06:58: du hast Jetzt die neueren Netzwerke genannt aber was ist aus den alten letztendlich geworden?
00:07:04: und wie weit haben unsere Aktivitäten und das Engagement tatsächlich Niederschlag gefunden, dass man sagen kann wir haben jetzt grundsätzlich mal die Stadtplanung hin nachhaltiger oder geschlechtergerecht gemacht.
00:07:17: Also das war so der Anlass.
00:07:20: Ja und darüber wollen wir ja letztendlich mit unseren Gästen reden damit für unsere nachfolgenden Generation unseren jungen Zuhörer und Hörerin den Stand der Dinge zu diesem Thema präsentieren wollen, darüber diskutieren wollen weil wir gerade feststellen dass es schon Aktivitäten wieder in diese Richtung geht.
00:07:39: Es gibt weibliche Spaziergänge zum Beispiel in Stuttgart.
00:07:42: Du hast es genannt es gab Konferenzen dazu aber irgendwie habe ich immer den einen und das läuft so an der Cover so richtig an die Oberfläche gespült.
00:07:49: In dem Thema wird's also nicht.
00:07:52: von daher für uns alle sind wir gespannt Wo wir sind.
00:07:56: Sind wir gespannt, was unsere Expertinnen gleich dazu berichten und wir wünschen ihnen und euch jetzt ganz viel Spaß beim Zuhören!
00:08:10: Ja herzlich willkommen in der Stadtrederei Nina Schuster.
00:08:14: Schön dass du bei uns bist.
00:08:16: Hallo
00:08:17: Könntest du dich zu Beginn unseren Zuhörenden einmal kurz vorstellen?
00:08:22: Genau mein Name ist Nina Schusta.
00:08:24: ich bin Soziologin an der Fakultät Raumplanung der TU Dortmund In der Stadt- und Regionalsoziologie.
00:08:33: Ich arbeite dort schon seit vielen Jahren und habe zwischendurch auch mal eine Gastprofessur gehabt an der TU Wien.
00:08:41: Und eine Vertretungsprofessor an der Hafencity Universität Hamburg.
00:08:46: Meine Schwerpunkte liegen tatsächlich in der feministischen und queeren Stadtforschung, in der sozialwissenschaftlichen Stadtforschung Kleingärten geforscht, einem DFG-Projekt und mich mit dem sozialen Miteinander in Kleingarten beschäftigt.
00:09:08: In zwei deutschen Großstädten und dazu auch ein Buch veröffentlicht.
00:09:13: also meine Schwerpunkte sind stattsoziologisch relativ breit gefächert.
00:09:19: Janina wir wollen ja heute mit dir darüber reden was denn eigentlich gendergerechte Stadtplanung und Stadtentwicklung ist.
00:09:27: Nur hast du gesagt, du bist Soziologin?
00:09:29: Guckst also noch mal mit einer anderen Perspektive da drauf!
00:09:33: Aber das ist glaube ich wichtig auch um das Ganze nochmal zu verstehen auf diesen Begriff.
00:09:37: Nun ist der achte März ja schon etwas her.
00:09:40: unser internationaler Frauentag hat unterschiedliche Debatten im Hintergrund gehabt.
00:09:47: Wenn du so zurückbringst vor sechs Wochen, war das ungefähr?
00:09:49: Was ist denn so was dich um diesen Tag herum in den Debatten am meisten beschäftigt hat oder nachgewirkt hat.
00:09:59: Interessant fand ich dieses Jahr... Das ist eine recht breite mediale Beschäftigung mit feministischen Fragen oder auch
00:10:08: Frauenfragen
00:10:09: wie es ja meistens übersetzt wird
00:10:11: gab
00:10:12: und dass So ganz unterschiedliche Perspektiven beleuchtet worden sind.
00:10:15: Ich habe zum Beispiel in der Doku über die Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland gesehen, die ich nahezu erschreckend fand weil es eben sehr spät überhaupt eine Anerkennung der Fähigkeiten und ja auch der Leistungen von Frauen im Fußball gab noch eine sehr späte Gründung der Nationalmannschaft der Frauen.
00:10:37: Also ganz kurios Geschichten verbergen sich da.
00:10:40: Ich fand aber auch, dass sehr stark dieses Jahr das Thema Gewalt an Frauen wieder hochgekocht ist und durch aktuelle Entwicklungen, aktuelle Aufdeckungen oder aktuelle Fälle finde es positiv, dass über diese Frauenverachtende Gewalt gesprochen wird oder frauenfeindliche Gewalt so viel gesprochen wird und das auch der Fokus eben den es braucht nämlich auf dem privaten Raum gelegt wird, eben verbunden mit allen Schwierigkeiten die dahinter stecken.
00:11:13: Sie erahnen ja worüber wir reden wollen!
00:11:15: Wir wollen über gendergerechte Planungen sprechen und wo sind wir gerade?
00:11:19: Wo sind die Erfolge?
00:11:20: wie kann's weitergehen?
00:11:21: aber bevor wir dazu einsteigen Frage an Sie beide nämlich.
00:11:25: An welchem Ort in Ihrer Wohnstadt fühlen sie sich besonders wohl und weshalb?
00:11:32: Also ich heiß Eva Käl, Herr Braunplanung studiert und war viele Jahre die Gender Planning Expertin für Stadt Wien.
00:11:43: Das war sehr schön kurz und knackig und sehr bescheiden Frau Keil.
00:11:46: Vielen Dank!
00:11:48: Einer meiner Lieblingsorte ist der Nachbarschaftspark bei mir ums Eck, der Tragepark im vierten Bezirk in
00:11:56: Wien.
00:11:57: Das ist ein gründerzeitlich angelegtes Viertel und hat eine Besonderheit weil es keine Straßen um diesen Park gibt.
00:12:07: Es ist ungefähr einen Hektar groß aber es grenzen Die Häuser, die gründerzeitlichen mehr geschossigen Häuser mit ihren Vorgärten daran an.
00:12:18: Das heißt es gibt nur so einmündende Gassen und dadurch hat der Park einfach einen unheimlich hohen Erholungswert und ist wirklich halt so.
00:12:28: der Garten ums Eck Grünräume erzeugen das soziale Kapital der Nachbarschaft, wie meine Kinder klein waren.
00:12:41: Und die haben das gehasst, wenn die Menschen auf der Straße angesprochen haben und sie haben mich noch immer gefragt woher kennst du die?
00:12:49: aus dem Rathaus also aus meinem Arbeitszusammenhang oder aus dem Park?
00:12:55: Und der Tag hat einfach wirklich unheimlich für eine nachbarschaftlichen Beziehung angegründet.
00:13:01: Es war immer schön zu sehen, wie viele unterschiedliche Gruppen da ihren Platz finden und konfliktfreie miteinander auskommen.
00:13:11: Ganz wunderbar, wie sie uns das sozusagen schon in den Kopf geholt haben.
00:13:14: Man kann sich das gut vorstellen.
00:13:16: jetzt Nina Schuster was ist denn so dein Ort?
00:13:18: Du wohnst jetzt in Dortmund nämlich an wenn du an der Uni bist und was ist da jetzt so deinen Lieblings- und Wohlfühlort?
00:13:27: Lustigerweise habe ich auch an einen grünen Raum gedacht und das ist mein Kleingartenverein Der sehr erhohesommerort ist.
00:13:37: Innenstadt nahe von der Stimmung klischeehaft beschrieben, aber doch für mich auch stimmig eine grüne Oase ist.
00:13:49: Wo es einerseits Rückzug gibt in den eigenen... klein Bereich, andererseits aber viel Austausch mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Alters.
00:14:00: Also ganz unterschiedliche Menschen die sich da begegnen.
00:14:04: also auch eine Analogie eigentlich zu dem was Eva Kall gerade beschrieben hat in Ort an dem man auch Menschen begegnet den man im Alltag meine wegen jetzt im eigenen Wohngebiet, nicht täglich begegnet.
00:14:15: Also manche sind auch dabei aber es gibt eben auch viele andere und das finde ich hat eine sehr spezielle städtische Qualität auch wenn es eben kein öffentlicher Raum wie die Haupt-Fußgängerzone ist oder so.
00:14:28: also da finde ich ist einerseits Ruhe und andererseits eben auch viel Austausch möglich.
00:14:35: Jetzt hattest du gerade beim Vorstellen gesagt Du bist Fachfrau für Quere-Stadtplanung, feministische Stadtplanung.
00:14:46: Wir haben jetzt von gendergerechter Stadtplanungen gesprochen.
00:14:49: Kannst du das einordnen?
00:14:50: Diese Begriffe, die da so herumschwirren ... Was ist eigentlich was?
00:14:54: Wodurch ist es auch zu unterscheiden?
00:14:56: Die grenzen sich die Begriffen vielleicht ab oder wie hängen sie zusammen?
00:15:00: Für mich gibt es nach wie vor einen Unterschied zwischen feministischen und genderperspektiven.
00:15:10: Das liegt daran, dass die beiden Begriffe eine unterschiedliche Geschichte haben.
00:15:14: Und feministische Perspektive haben große politisches Anliegen Gesellschaft zu verändern und das ist bei Gender Studies und gender bezogener Forschung manchmal nicht unbedingt mit enthalten.
00:15:29: was aber nicht heißt es Gender Planning das nie macht oder nie möchte.
00:15:35: für feministische Ansätze, die sehr breit differenziert inzwischen sind.
00:15:39: Also sich nicht nur mit Frauen anlegen und den verschiedenen Lebenssituationen von Frauen beschäftigen sondern eben die Gruppe der Frauen auch sehr viel differenzierter betrachten geht es stärker um eine gesellschaftskritische Perspektive.
00:15:58: Und das ist mir tatsächlich wichtig.
00:16:01: und die queeren Perspektiven sind sozusagen dazu hassend, wenn sie auch eben Sexualität sehr viel stärker in den Fokus stellen oder eine Genderdiversität.
00:16:16: Wenn du jetzt gerade das gesellschaftliche so... Oder du dich damit so beschäftigst dann frage ich mich grade wie du es siehst Weshalb dieses Wort gender zu so einem Unwort geworden ist und hat das aus deiner Perspektive etwas dann mit diesen Machtstrukturen von Männern zu tun?
00:16:36: oder warum fühlen sich einige durch dieses Wort?
00:16:40: Ich weiß gar nicht, wie die sich fühlen.
00:16:42: Also sie fühlen sich betroffen oder beleidigt?
00:16:45: Oder also es ist ganz merkwürdig.
00:16:47: auch im engen bekannten Kreis ist das Wort Gender ein Unwort geworden was ich nicht nachvollziehen kann.
00:16:53: Ja und auch gendergerechte Sprache tatsächlich!
00:16:55: Ich kann mir vorstellen dass es daran liegt, dass es um Privilegien geht und tatsächlich damit etwas angestoßen wird, also dass tatsächlich Machtverhältnisse zum Thema gemacht werden Und das eben auch eine Sprache, dass widerspiegelt was Gesellschaft ausmacht.
00:17:16: Es stecken aber eben auch tatsächlich konservative bis rechtspopulistische Kräfte dahinter die diesen Diskurs sehr stark befeuern und deswegen würde ich sagen es geht da eben auch um ganz andere Themen die darüber verhandelt werden.
00:17:34: also das wird nur als Anlass genommen auch konservative Positionen stärker wieder in den Diskurs zu bringen.
00:17:42: Jetzt hast du ja schon diesen Rückblick gebracht auf einerseits und diese Differenzierung von feministischen Anliegen, Genderanliegen.
00:17:50: da sind die Frauen oder die Frauenbewegung – die Ursprüngliche aus der Sitzung.
00:17:54: im Jahrzehnte haben wir einiges bewirkt – wie guckst du als Soziologin darauf?
00:18:01: Was haben sie erreicht?
00:18:02: Wo wird sozusagen ihre Erfolge
00:18:05: sein?
00:18:05: Das ist eine spannende Frage, weil es sich glaube ich an so vielen Dingen festmacht und an vielen auch nicht.
00:18:13: Also ich würde sagen dass wir überhaupt diese Themen auch so prominent diskutieren wie zum Beispiel über gender pay gap also nach wie vor vorhandene soziale Ungleichheiten und ungleichen hätten in der Bezahlung von erst mal Frauen und Männern.
00:18:29: Und anhand dieser Gender Pay Gap Diskussion wird ja auch über Unterschiedlichkeit innerhalb der verschiedenen Gruppen gesprochen, wie jedenfalls manchmal.
00:18:38: das finde ich ist schonmal ein Fortschritt.
00:18:40: und dass wir auch über das Elterngeld in einer Weise sprechen die auch Väter als Kerbe auftragt oder kehrtätige thematisiert, ist auch ein Fortschritt.
00:18:54: Also da wurden ja tatsächlich auch neue Strukturen geschaffen um Eltern möglicherweise sogar gleichberechtigt an der Erziehung der Kinder oder der frühen Erziehungen der Kinder- oder Betreuung der Kindern gleichmäßig zu beteiligen.
00:19:12: Bezogen auf die Stadt gibt es natürlich Beispiele Aber manchmal nicht so direkt mit geschlechterbelangen Verbunden zu sein scheinen.
00:19:26: Also Fragen von Barrierefreiheit werden ja häufig damit verbunden, also jedenfalls wenn es um Transport und Mobilität geht.
00:19:35: Zugänglichkeit vom Verkehrsmittel überhaupt die Nutzbarkeit der Stadt für möglichst viele Menschen wird ja inzwischen doch deutlich anders diskutiert als noch vor zwanzig Jahren.
00:19:45: Also die paratgerechte Stadt oder die Mobilität, auch die Fußgänger-Mobilität wird ja heutzutage ein bisschen anders diskutieren, als es noch früher der Fall war.
00:19:57: also... Die Kritik an der autogerechten Stadt hat sich wirklich sehr stark verbreitet bis zu das eine große Metropole in Frankreich, also Paris sich das so stark auf die Fahne geschrieben hat und das fünf Minuten oder fünfzehn Minuten stattnimmt was ja früher die Stadt der kurzen Wege war bei den feministischen Debatten.
00:20:17: Und ich sage den Studierenden immer wenn mit Ihnen dazu spreche, dass das eigentlich eine direkte Übersetzung ist und die Kritik, die darin steckt eben sehr tiefgreifend ist.
00:20:29: Also da geht es aus meiner Sicht nicht nur darum, dass die Stadt nicht mehr nur den Autos gehören soll sondern es geht auch darum, diese Funktionstrennung der Stadt durch die Funktionalisierung der Stadtstrukturen entstanden ist, dass wir die wieder irgendwie auflösen müssen.
00:20:49: Also dass wir da auch zu einer Stadt zurückkommen müssen, die bestimmte Alltagsbedürfnisse deutlich besser erfüllen lässt.
00:20:56: Kall, wir haben sie ja auch eingeladen weil Sie seit Jahrzehnten in diesem Thema für die Stadt Wien gearbeitet haben und unter anderem einen neuen Stadtteil mit auf den Weg gebracht haben nämlich die See-Stadt Aspern Und wir haben gerade schon mit Frau Schuster darüber diskutiert, inwieweit ist das denn unter dem Titel feministische Planung gelaufen oder einfach... sind einfach diese Belange eingeflossen?
00:21:24: Da würden wir jetzt von Ihnen gerne hören, wie Sie das einschätzen.
00:21:27: Was ist die erfolgreichere Strategie zu sagen Wir machen subversiv oder wie Frau Schuster seid?
00:21:33: Nee, nee, nee!
00:21:34: Wir müssen schon gucken dass wir mittlerweile die Lebensstandards oder die Lebensstile auch sehr differenziert in ihren Alltagsgewohnheiten berücksichtigen.
00:21:44: was würden sie empfehlen?
00:21:46: Ich bin bekannt für meine sehr pragmatischen Zugänge.
00:21:51: Also ich würde mich so als ambitioniert, pragmatisch beschreiben und ich glaube es hängt davon ab wie sozusagen das Gesamtframing und die Gesamtsituation ist.
00:22:04: wenn ich genügend politische kommunalpolitische Unterstützung habe Dann ist es natürlich ein Pilotprojekt, wo die dezidierte gesetzte Aufgabenstellung ist.
00:22:17: Öffnet jetzt die Köpfe, regt die Fantasie an und ist eine inhaltliche Herausforderung.
00:22:23: Und dann soll man das nützen.
00:22:26: Wenn – und das ist ja nicht immer so leicht – diese politische Unterstützung zu haben in unterschiedlichen kommunalpolitischen Konstellationen, die gegebenen Strukturen nützen und sich dort hineinarbeiten.
00:22:43: Und wenn es unter der Genderflage das Widerstände erzeugt, dann nennt man's halt zielgruppenorientierte Planung.
00:22:53: Ich denke mal wichtig ist, dass die soziale Intelligenz- und Sensibilität im Planungsabläufen positioniert ist.
00:23:01: Und zur Seestadt im Konkreten, ich denke mir, das war schon ein sehr... ambitioniertes gutes Mainstream-Projekt mit einer besonderen Situation, weil er als ehemaliges Flugfeld dieser eigene Entwicklungsgesellschaft gegründet worden und eine für den Planungsbereich eine sehr engagierte junge Frau als die Claudia Nutz als Vorständin etabliert wurden.
00:23:36: Und die haben quasi zivilrechtliche Vereinbarungen als Vorläufer der städtebaulichen Verträge mit den jeweiligen Bauträgern geschlossen, wo sie Qualitätsmerkmale vereinbart haben.
00:23:52: Also das war insgesamt ein sehr günstiges Feld und dazu kommen wir waren nicht von Anfang an eingebunden aber Im Governance-Prozess haben es Gender-Pilotprojekte vereinbart, also mit Unterstützung des damaligen Planungsstaats Rates und der Wörter.
00:24:14: Tierung und Überarbeitung des Masterplans.
00:24:17: Also da war das Wetterstädtebaulicher Entwurf schon primiert, aber der Masterplan wurde überarbeitet und in dieser Phase waren wir involviert und ab da gab es dann eine regelmäßige Einbeziehung von dieser Entwicklungsgesellschaft der Fierunddreißigzwanzig AG.
00:24:35: Und dazu ist aber noch gekommen dass die Seestadt als großes Gebiet Es ist ja ausgelegt auf dem von zwanzigtausend Einwohner, zwanziggtausende Arbeitsplätze.
00:24:46: Also da wird schon eine Kleinstadt quasi hingestellt dass die ganzen verschiedenen Themenfällen wo unseren Rollout gelungen ist wie geschlechtssensive Bargestaltung, die Vertretung der Genderperspektive in der Qualitätsprüfung, bei der Wohnbaufförderung.
00:25:09: Diese ganzen Elemente haben dort einfach auch gegriffen und dadurch glaube ich hat es schon einen Einfluss gegeben an dem Mitwirkungen der See-Starter.
00:25:21: wie wird mir schwer tun sozusagen den Prozentsatz zu benennen.
00:25:29: was ist jetzt spezifisch auf dieses den Gender-Einfluss zurückzuführen?
00:25:36: und was ist sozusagen dieser Ambitionierten von einer jungen Frau verantwortet, in gesamten planerischen Zugängen zuzuschreiben.
00:25:49: Also ich bin jetzt seit zwanzig Jahren als Architektin Stadtplanerin tätig.
00:25:53: im Berufsalltag auch in der Zusammenarbeit mit Planungsbüros oder mit Kommunen ist mir dieser Begriff in Projekten feministische Bedürfnisse, gendergerechte Bedürflisse nie begegnet.
00:26:07: Also das ist was, was ich auf Konferenzen wahrnehme, was sich im Austausch mit den Frauennetzwerken hier in Nordrhein-Westfalen wahrnehmere wo jetzt vielleicht auch sehe es ist in der Architekten kann man Nordrheinwestfalen eine Frau an der Spitze so da wo man so vielleicht so Themen hat aber in dem richtigen Planungs Berufsalltag.
00:26:28: Wird es selten so oder bis gar nicht explizit benannt?
00:26:32: Vielleicht auch mal an dich, Christine Krüger die Frage wie hast du das erlebt?
00:26:37: Du hast noch viel mehr sozusagen Berufserfahrung hinter dir.
00:26:41: war das schonmal in Planungsprozessen bei dir so ein explizites Thema?
00:26:46: explizit sicherlich nicht, sondern subversiv in Diskussionsrunden eingebracht.
00:26:51: Das einfach nachgefragt hat... also um jetzt rede ich noch aus den neunziger Jahren über Frauenbelange.
00:26:57: Es sei mir jetzt verziehen dass das alles ein bisschen binär klingt aber Jane Butler war damals oder Judith Butler heiße glaube ich War damals a no go!
00:27:05: Also man war schon froh wenn überhaupt das Wort Frauen in der Mund nehmen konnte und dann hat es reingebracht durch die Belange wie bewegen sie sich?
00:27:13: Was ist mit der Arbeit?
00:27:14: Wie ist das?
00:27:16: ist der Einzelhandel, also die fußläufige Versorgung gesichert.
00:27:19: Man hat es einfach so mit reingebracht und natürlich war ich immer glücklich wenn auch mehr Frauen an den Tischen saßen.
00:27:26: Ich glaube das hat sich jetzt ziemlich geändert weil auch so viele Architektur- und Stadtplaner studieren dass einfach auch mehr also Planungen ein bisschen mehr in Frauenhand liegt mal unabhängig von den Führungspositionen.
00:27:36: Die sind vielleicht noch ein bisschen Sperrlicher Besitz, aber es war immer gut wenn mehr Frauen schon mal mit an den Tisch saßen um dann diese Belange.
00:27:44: Mit einem stillen Nicken zu sagen ja genau die müssen wir jetzt auch noch auf der Agenda haben.
00:27:49: was ich sein will ist sind so die kleinen Schritte.
00:27:52: Aber das was früher die achten sechziger frauen gemacht haben dass groß aufs plakat zu schreiben Das findet so nicht statt Es sei denn das siehst du jetzt vielleicht anders.
00:28:03: Tatsächlich frage ich mich, ob das auch nötig ist.
00:28:06: Vielleicht ist es noch mal eine andere Sicht darauf?
00:28:08: Weil ich erinnere mich an eine Fischbowl-Podiumsdiskussion bei der Umnutzung eines Zechenareals.
00:28:15: Es ging unter anderem um Quartiersgaragen und Mobilität, um Straßenquerungen ... Und es wurde dann von Frauen eingebracht in dieser Diskussion dass die Frauen dann aber Schwierigkeiten haben, wenn sie die Einkäufe schleppen müssen von der Quartiersgarage zur Wohnung.
00:28:33: Dass es den Frauen vielleicht schwerfällt mit Kinderwägen oder noch aufs Fahrrad umzusteigen.
00:28:39: Oder für Sie mühsam ist, die Kinder morgens zu Fuß zur Schule zu bringen und so.
00:28:43: Dann hab ich gedacht, wieso reden wir da nur über Frauen?
00:28:46: Das ist ein Alltag, den ich ganz anders erlebe, weil in meiner Generation oder auch in meinem Freundeskreis und Umfeld ... Das machen doch die Väter gleichermaßen.
00:28:56: Also das ist so aufgeteilt, dass das gar nicht mehr nur die Frauen betrifft.
00:29:00: Das ist meine Wahrnehmung.
00:29:02: von daher frage ich mich tatsächlich in der Stadtplanung jetzt noch mal auch an dich Nina Ist das richtig?
00:29:09: Die Frauenbedürfnisse nochmal hervorzuheben?
00:29:12: oder ja wie siehst du das nina?
00:29:14: also Ich würde sagen das ist nicht mehr richtig.
00:29:17: also nein aber auch nur weil sich die Positionen auch diversifiziert haben, also weil es Väter gibt die Elternzeit nehmen und die kleinsten Kinder holen und bringen usw.
00:29:31: Und auch die größeren Kinder versorgen und weil das umgetauschte den typischen Rollen in Gegengesetzte oder im verkehrten Rollen gibt usw.. Dennoch ist es nach wie vor so dass ein Großteil der Kerverantwortung bei Frauen liegt.
00:29:46: Das ist Statistik, auch wenn das manchmal nicht manchen Lebensrealitäten entspricht.
00:29:51: Das heißt, man kann es schon machen.
00:29:53: Auch bei den Alleinerziehenden.
00:29:54: ein überwältigender Anteil der Alleinerziehenden sind Frauen ungefähr achtzig oder neunzig Prozent und ganz großer Teil von Kindern wächst bei alleinerziehend Müttern auf Und die haben natürlich eine ganz spezielle und besonders prekäre Lebenssituation durch diese multiplen Aufgaben, die sie haben.
00:30:14: Ich möchte aber eigentlich dahin, dass man versucht möglichst viele Interessen zu berücksichtigen und nicht bei dieser bei den zwei Gruppen bleibt.
00:30:25: Also sich anschaut, wie ist eigentlich der Lebensalltag von Migranten in der Stadt oder vom bestimmten Migrantin?
00:30:32: Die vielleicht gerade zugezogen sind oder von welchen die schon ganz lange in fünfter Generation hier leben.
00:30:38: Das sind ja keine Migrantinnen mehr und die werden von uns aber immer noch so gelabelt.
00:30:41: Meine Wegen auch, wie isst der LebensAlltag von vielen anderen Gruppen in der Statt also auch von Menschen, die vielleicht keine Familien haben, von Menschen weit über siebzig sind und noch in ihrem Haus leben möchten oder in ihrer Wohnung.
00:30:56: Welche Ansprüche haben die an den Städter?
00:30:58: Was sind überhaupt deren Wegeketten, was sind deren Alltagsräume
00:31:02: usw.,
00:31:03: etc.?
00:31:03: Also auch zwischen den verschiedenen Klassen gibt es natürlich unterschiedliche Lebensrealitäten.
00:31:12: Zum Thema Alltagsbedürfnisse würde ich auch nochmal einen Blick auf die Freiräume werfen wollen, die sie ja beide Eingangs als Wohlfühlort benannt haben.
00:31:22: Inwiefern sind das Orte, die eben für alle Menschen wichtig sind und vielleicht doch noch mal insbesondere auch für die Frauen wo jetzt gerade angesprochen wurde?
00:31:36: Die Kehrarbeit inwiefern ist es Frauen auch ein Stück weit erleichtern in der Stadt zu leben.
00:31:47: Erstens gibt es Befragungen, die zeigen... Wir sehen das aus unseren Mitbestimmungsprojekten heraus, dass das Bedürfnis nach Natur und Grünräumen bei Frauen stärker ausgeprägt ist.
00:32:03: Ich glaube, dass es einfach ein sehr atavistisches Bedürfenis gibt mit Grünraum in Kontakt zu sein.
00:32:11: Da gibt es für genügend medizinische Studien, die irgendwie nachweisen wie wichtig das ist für diesen Erholungseffekt dieses berühmte Waldbaden was jetzt im Mode gekommen ist.
00:32:26: auf der anderen Seite machen Frauen wie es die Nina Schuster ja Auch ausgeführt hat ein Großteil noch immer der Kehrarbeit.
00:32:36: Für Kinder und Jugendliche ist Bewegung und Spielabläufe im Freien sein ganz essentiell, d.h.
00:32:44: attraktive Wohnorten, all Grünräume sind sozusagen eine Erleichterung in der Keherarbeit.
00:32:51: Wir wissen das Alter ist weiblicher zunehmend.
00:32:54: Das Thema ist Einsamkeit im Alter Und auch hier haben eben die Grünräume ein ganz ... sind der Ort, wo spontan informelle Begegnungen stattfinden können und Austausch.
00:33:11: Und selbst wenn ich das sozusagen meine persönliche Schwelle nicht schaffe oder nicht das Bedürfnis habe einfach das Gefühl dabei zu sein und mich in einen schönen Raum mit anderen Menschen aufzuhalten hat eine psychisch entlastende Funktion.
00:33:34: Ich denke, was auch dazu kommt ist tatsächlich dass die Räume ja relativ barrierefrei zugänglich sind im Sinne von Konsum, freie Räume sind.
00:33:43: Also wenn ich jetzt an einen öffentlichen Park in der Nähe eines Stadtteils, eines Wohnstadtheits denke oder in einem Wohnstadtteil dann sind dort wahrscheinlich Bänke aufgestellt gibt es vielleicht noch ein Kiosk an dem man sich selber was zu trinken oder zu essen holen kann.
00:33:58: aber ansonsten ist der Park eben auch zum Picknicken nutzbar für Menschen die weniger Geld zur Verfügung haben.
00:34:05: und natürlich sind da auch Menschen wahrscheinlich keine oder nur schlechte Wohnungsverhältnisse haben und können sich da aufhalten.
00:34:15: Also man hat auch die Möglichkeit tatsächlich in einer breiten gesellschaftlichen Wirklichkeit im Kontakt zu sein, diese Räume sind aber nie perfekt ausgestattet.
00:34:26: Problematisch ist zum Beispiel, dass sie häufig nicht über Toiletten verfügen.
00:34:30: Was sie teilweise auch sehr schmutzig macht beziehungsweise eben für Menschen die häufiger auf Toilette angewiesen sind oder auf Wickelgelegenheit, die ein bisschen geschützter sein sollen vielleicht nicht so gut nutzbar sind.
00:34:42: Also hier ist ein Riesenthema für die Stadtplanung noch zu bearbeiten, die Versorgung mit Toiletten im öffentlichen Raum und das ist ein sehr stark geschlecht spezifisches Thema.
00:34:52: also für Frauen ist die Möglichkeit in den öffentlichen Räumen auf Toilette zu gehen deutlich schlechter organisiert als für Männer, die sich eben auch häufig mal an einen Baum stellen.
00:35:01: Jetzt hatten wir vorhin das tolle Beispiel der Seestadt Aspern in Wien.
00:35:06: Wie sieht es denn in anderen Städtebauprojekten aus?
00:35:10: Wie werden solche Alltagsbedürfnisse darin berücksichtigt?
00:35:16: Wir haben's vorhin schon so angerissen, wie es vielleicht auch subversiv erfolgen könnte aber zeigt sich dann tatsächlich an der Umsetzung?
00:35:26: Ich habe gerade in einem vergleichbar großes Projekt gedacht, nämlich die Entwicklung der Hamburger Hafencity zu der ich nicht sehr intensiv geforscht habe.
00:35:35: Aber wo meines Erachtens relativ viele Fehler gemacht werden weil diese Hafencity zwar einen U-Bahnanschluss bekommen hat und auch Busse dort hindurch waren aber sie ist doch sehr stark als autogerechte Stadt geplant finde ich für die Alltagsaneignung recht schwerfällig gestaltet und überhaupt nicht angemessen auf ganz unterschiedliche Bedürfnisse ausgerichtet, auch wenn es dreißig Prozent sozialen Wohnungsbau geben soll am Ende des Tages.
00:36:08: Aber ich sehe da doch eine sehr konventionelle Stadtentwicklung!
00:36:12: Ich
00:36:13: finde es interessant dass du das Beispiel nennst weil ich war im Frauenbeirat damals Der sich das zum Thema gesetzt hat, die Entwicklung der Hafen City und es hat ziemlich heftige Diskussion auch mit dem Senator gegeben um diese Dinge durchzusetzen.
00:36:27: Aber da ging es um wertvolle Grundstücke und dann ging es einfach ums Geld.
00:36:32: also deswegen sind da bestimmte Spielplätze an Orten entstanden wo sie vielleicht zwecklos sind und da wo Sie jetzt gerade sind, sind sie hochdesignt und keiner nutzt sie ja?
00:36:40: Also das war aber das finde ich interessant!
00:36:42: Das war ein Projekt mit einem Frauenbeirat
00:36:45: Aber sich offenbar ja
00:36:47: nicht durchsetzen konnte.
00:36:48: Und das liegt eben nicht daran, dass einzelne Menschen oder Männer bestimmte Sachen nicht wollen sollen und wir sind immer noch auch in der kapitalistischen Gesellschaft Held, also in diesen großen Städten über die wir jetzt hier gesprochen haben.
00:37:05: Es war von Paris Hamburg und Wien die Rede.
00:37:08: Haben wir es natürlich mit einem Bodenmarkt der ins Unheimmäßliche steigt und immer noch steigt zu tun?
00:37:15: Und das ist eines der Probleme, mit denen wir in der Stadtplanung umgehen müssen oder wo auch die Politik sich überlegen muss ob man da nicht auch mal andere Möglichkeiten noch mehr stärken kann.
00:37:28: Es gibt ja Möglichkeiten und die werden auch genutzt.
00:37:31: Aber vieles ist eben nach wie vor auch Investoren, gesteuerte Baukultur- und Stadtentwicklungspolitik.
00:37:38: Da wollte ich gerade noch mal drauf einsteigen, weil es ist sehr klar geworden wofür sich lohnt dass sich Frauen für ihre Raumbedürfnisse und ihre Raumansprüche engagieren.
00:37:49: Weil sie ja sozusagen nicht nur sich selbst als Frauen was Gutes tun sondern weil das eigentlich allen zugute kommt in der Gestaltung auch Nutzung von Stadt.
00:37:59: Aber welche Akteure könnten denn dabei unterstützen?
00:38:02: Das sind noch sozusagen flüssiger Inplanungsprozessen
00:38:08: und entwürfen
00:38:08: sowieso berücksichtigt wird.
00:38:10: Also
00:38:11: wer
00:38:11: müsste das vielleicht noch mehr auf dem Schirm haben oder wer kann da vielleicht auch nochmal mit vehementer für einsteigen?
00:38:19: Ich will es unterstreichen, was die Nina Schuster gesagt hat also aus meinen Erfahrungen wir haben ja diese Genderaspekte auf ganz unterschiedlichen Planungsevernen eingebracht
00:38:32: und
00:38:32: das Spielplätze- und Sportgelegenheiten Mädchengerecht gestaltet werden müssen, dass Fußgängerverkehr stark von Frauen dominiert ist und mehr Berücksichtigung fordert.
00:38:45: sozusagen einleuchtend und mit Zahlen gut belegbar und sozusagen nachvollziehbar.
00:38:52: Das war die verhältnismäßig leichtere Übung, aber am Städtebau ist etwas sehr abstraktes.
00:39:01: Und wir haben versucht in unserem Genderplanungshandbuch das eine qualitätsvolle Dichte zu nennen Weil es heißt, weil es ist damals im Stadtentwicklungsplan Urbanität, Urbanität und Urbanität getrommelt worden aus ökologischen Gründen.
00:39:21: Und man braucht die Dichte und ÖV
00:39:24: etc.,
00:39:25: aber gleichzeitig hat das natürlich auch totale Verdichtung geheißen und in qualitätsvoller Dichte war.
00:39:32: unserer Meinung nach schwingt es mit dass das auch Grünflächen.
00:39:37: Das ist auch die Räume zum Durchatmen, wie wir es am Anfang gesagt haben und ich kann mit dem besten Design fehlende Grün Flächen oder zu kleine Grün flächen nicht ersetzen.
00:39:52: D.h.,
00:39:53: das Fell des Beeren wird früh verteilt nämlich genau bei dieser städtebaulichen Ebene Und da geht's dann wirklich um beinharte Interessen.
00:40:03: Es war interessant dass in der letzten runde durch die politischen Parteien dieser Stadtentwicklungsplan, das auf qualitätsvolle Urbanität geändert wurde im Stadtentwickelungsplan.
00:40:16: Was uns total geschmerzt hat, weil da einfach was anderes mitschwingt.
00:40:21: Das heißt ich glaube diese Dichte ist wirklich.
00:40:25: aber jeden städtebaulichen Wettbewerb nennt es immer Planungslürig wann führende Bilder beschworen werden.
00:40:33: und dann schau ich hinten was die BGF die Brutto-Geschossfläche, die erwartet wird.
00:40:39: Und die maximale ist immer die Schwelle, die von allen erreicht wird, die erfahrene Wettbewerbsteilung, die man sieht und dann weiß ich das kann man viel davon jetzt vergessen weil mit der BGF setzt einfach die Rahmenbedingungen und darum glaube ich dass da die Politik wirklich total zentral ist gibt es den politischen Rückhalt zu sagen und das Rückwahrt da im Dialog zu treten.
00:41:13: Und zu sagen, es gibt auch ein Deckel.
00:41:16: Und an dem ich mich manchmal frag, warum steht das so?
00:41:21: die sind ja mit der Flächenwiedmungs- und Bebauungsplanung, haben sie unheimlich starke Instrumente in der Hand.
00:41:29: Warum wird so den Vorstellungen der Entwickler stattgegeben?
00:41:38: Also da glaube ich ist es politische Willensbildung und seitens der Zivilgesellschaft einfach dieses Trommeln und dieser Wunsch noch Grünflächen unter diesen humanen Maßstab, der gern von Architekturkritikern alles so dumpfes leihen.
00:41:57: Gemur, also so leihen die nichts von Architektur verstehen.
00:42:01: Die immer diesen humanen Maßstab einfordern und die kleinbürgerliche Idylle.
00:42:07: Also das wird ja oft im planerischen Fachdiskurs so völlig abgetan.
00:42:12: aber ich glaube für dieses Raum entfinden.
00:42:14: wir wissen Jan Gell hat es ja gezeigt ob fünf geschossen Kittenfassaden in die Anonymität des Erzeugter anderes Stattgefühl.
00:42:27: Also ich glaube, es muss von Seiten der Stadtnutzerinnen stark eingefordert werden aber gleichzeitig braucht's einfach wirklich Politik, die ihren Instrumentellen Handlungsspielraum, den COH da wirklich bereit ist zu nützen und ihr politisches Kapital einzusetzen.
00:42:50: Und städtebauliche Verträge sind ein wunderbares Instrument über diese Widmung hinaus weil dann ja auch noch Qualitäten vereinbaren kann.
00:42:59: das ist ja zivilrechtliches Instrument wo ja qualitätssichernde Verfahren vereinbaren kann, heißen die Schattendiagramme zum Beispiel und beengte verschattete Höfe oder stickige Höfe im Sommer auf zu spüren Mikro-Klimaanalysen.
00:43:17: Also da gibt es eine breite Palette an Instrumentarien – ich glaube das ist nicht dass die Planenden nicht wissen wie's ginge sondern ich brauche wirklich da die Politik die bereit ist, dieses Instrumentarium im Sinn dieser viel zitierten allgemeinen Interessen einzusetzen.
00:43:38: Nina Schuster noch dazu und dann kommen wir so langsam zum Schluss.
00:43:41: danke
00:43:42: ich würde ihr verkeilen da ziemlich stark zustimmen.
00:43:46: Und ich hatte jetzt gerade noch den Gedanken, du hast ja grade gesagt Verschattung und Hitze und Luftqualität
00:43:53: usw.,
00:43:54: dass uns da vielleicht auch die aktuellen Debatten um Klima in der Stadt so ein bisschen in die Karten spielen könnten wenn sich die Zivilgesellschaft wirklich mal ein bisschen auf den Weg macht.
00:44:06: Ja also ich glaube das braucht es dringend weil Auch erwiesenermaßen viel Druck von der Straße und viele Initiativen vom Bürgerinnen auch was bewirken können.
00:44:16: Und das Instrumentarium ja da ist und dieses Thema des Alltags in der Stadt, da er schon so stark eingewoben ist.
00:44:23: Also der Alltagbedürfnisse die dann eben in der Statt nicht mehr möglich sind oder besser möglich sein sollten wenn man in parkschartige Bereiche schafft Wenn man zwischen den Häusern genug Luftdurchzug ermöglicht und auch dass Regenwasser auf andere Weise versickern lassen kann usw.
00:44:40: Das würde ja sozusagen für verschiedene Bedürfnisse verbinden Was ja auch im Anliegen von Jenner Planning oder feministischer Stadtplanung ist, dass man nicht nur die sozialen Aspekte betrachtet sondern auch ökologische Aspechte mit dabei hat.
00:44:54: Und ich glaube das die Politik da durchaus den Druck der Zivilgesellschaft gut gebrauchen könnte und dass wir da – ich finde zumindest in Deutschland – eine gewisse Bequemlichkeit oder Konsumorientierung oder Mediatisierung oder so beobachten können Bewegung gerade auch haben.
00:45:15: Also es gibt sie immer noch, es gibt auch nach wie vor die Fridays for Future und regelmäßige Demonstrationen zu Themen aber so eine durchgehende Druck in den einzelnen Städten nämlich im Moment nicht so stark war ich will das auch nicht kleinreden was da ist.
00:45:32: Was wäre denn wenn Fürsorge wichtiger würde als zum Beispiel das Verkehrsthema?
00:45:37: Ich glaube, dass das ein ganz eng zusammenhängt.
00:45:42: Ein wichtiges Thema der Kehrarbeit sind ja auch die Wegeketten und wie ich sie zur Rückleg mit welchen Verkehrsmitteln die man zur Verfügung stehen, wie öffentliche Verkehrsnetze ausgerichtet sein, ob die nur Pendler Beziehungen der Erwerbsarbeit aufnehmen oder sozusagen die wesentlich vernetzteren Schulstandorte und Einkaufsstandorte.
00:46:09: Also ich glaube, da gibt es auch wichtige Überschneidungen im Normansitz-Step zur Seestadt Aspern.
00:46:18: also sind wirklich autoarme Verkehrsflächen und das ist auffällig dass Anteil der Kinder, die allein unterwegs sind.
00:46:28: Da habe ich den Augenschein und hab das Quartiersmanagement gefragt und die haben das bestätigt und haben gesagt, dass da wirklich der Anteil von Kindern, die selbstbewusst durch ein Stadteil marschieren hoch ist und immer gedacht hat, das wäre doch immer ein Qualitätsindikator für
00:46:48: Stadtentwicklungsgebiet.".
00:46:49: Das heißt ja am Grund auch Verkehrsplanung?
00:46:53: brauchen wir nicht weniger, sondern nur verzahnt mit vielen verschiedenen Alltagsbedürfnissen und auch nicht nur Kehr-Bedürfnisse würde ich sagen.
00:47:03: Aber auch uns zwar viel prominenter und das heißt natürlich auch dass Verkehrsplanung dann nicht mehr ist Auto oder ÖPNV, sondern na ja auch so eine Multimodalität wie die Verkehrsplanner das nennen würden stärker mit einbezogen wird also der Wechsel von verschiedenen Verkehrsmitteln von einem zum anderen Verkehrsmittel, vom Fahrrad auf die U-Bahn oder vom Auto auf die u-Bahnen oder so stärker mit einbezogen werden muss.
00:47:32: Denn wir sprechen ja von ganz unterschiedlichen Räumen auch also nicht nur von verdichteten Stadträumen sondern auch von Pendlerinnen.
00:47:40: Ich wohne im Ruhrgebiet wird wahnsinnig viel aufs Auto zurückgegriffen weil die Orte die erreicht werden müssen eben so schlecht an den ÖPNV angebunden sind und auch schlecht mit dem Fahrrad erreichbar sind.
00:47:51: Nach wie vor, auch wenn ein Rad schnell weg in Planung ist und im Bau ist aber das geht sehr langsam voran.
00:47:57: also die Verlegung der Schwerpunkte auf alternative Verkehrsmittel zum Auto ist nach wie vor noch ein großer Wunsch.
00:48:06: Ja vielen Dank Nina Schuster und Eva Keil für diesen tollen Einblick.
00:48:11: Wir sind jetzt abgedätet, was die feministische Stadtplanung angeht und hoffen dass unsere jungen Zuhörer für dieses Thema sensibilisiert sind.
00:48:20: Danke schön!
00:48:20: Tschüss bis zum nächsten Mal.